2000Ein Gesetz startet eine Industrie.
Am 1. April 2000 tritt das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft. Das Datum war kein Scherz, auch wenn manche es bis heute dafür halten. Solarstrom bekommt 99 Pfennig pro Kilowattstunde, garantiert für 20 Jahre. Dazu kommt das 100.000-Dächer-Programm mit günstigen KfW-Krediten.
Im ersten Jahr kommen 38 Megawatt dazu. In der Branche arbeiten 8.800 Menschen.
Kanzler Gerhard Schröder · SPDUmweltminister Jürgen Trittin · Grüne
2004 bis 2008Deutschland baut eine Weltindustrie. Vorübergehend.
Das EEG 2004 hebt die Solarvergütung an: 45,7 Cent pro Kilowattstunde, für Dachanlagen bis zu 11,7 Cent mehr. Investoren, Fabriken und Handwerk ziehen nach, vor allem in Ostdeutschland.
Der jährliche Zubau verdreifacht sich. Die Beschäftigung steigt von 35.400 (2004) auf 88.500 (2008).
Umweltminister Trittin, ab Nov. 2005 Sigmar Gabriel · SPDab 2005 Kanzlerin Angela Merkel · CDU
2010 bis 2011Rekord: 7.963 Megawatt in einem Jahr.
Die Modulpreise fallen stark, bis 2012 auf weniger als die Hälfte. Umweltminister Röttgen kürzt die Vergütung 2010 um bis zu 16 % und 2011 um 13 %. Der Ausbau läuft trotzdem weiter. Das gilt in Berlin, je nach Ministerium, als Erfolg oder als Problem.
2011 arbeiten 156.700 Menschen in der deutschen Solarbranche. Das ist der Höchststand bis heute.
Kanzlerin Angela Merkel · CDUUmweltminister Norbert Röttgen · CDU
2012Die Bremse wird gezogen.
Die PV-Novelle kürzt die Vergütung um 20 bis 29 %, dazu kommt jeden Monat ein weiteres Minus. Sie gilt rückwirkend ab dem 1. April 2012. Wieder ein 1. April, diesmal ohne Pointe. Wirtschaftsminister Rösler (FDP) wollte den Zubau auf 1 Gigawatt pro Jahr deckeln. Der Kompromiss im Vermittlungsausschuss: Bei 52 Gigawatt endet die Förderung ganz.
Im August 2012 bricht der Zubau auf 320 Megawatt ein. Der neue Umweltminister sagt dazu im Bundestag:
Das zeigt, dass unser gemeinsames Gesetz anfängt zu wirken.
Peter Altmaier, 11.09.2012
Umweltminister Röttgen, ab 22. Mai Altmaier · CDUWirtschaftsminister Philipp Rösler · FDP
2013 bis 2015Der Zubau stürzt um 82 % ab.
2015 kommen nur noch 1.415 Megawatt dazu, 2011 waren es 7.963. Das EEG 2014 legt einen Ausbaukorridor von 2,4 bis 2,6 Gigawatt fest und wird selbst unterboten. Neue Anlagen über 10 kW zahlen seit August 2014 anteilig EEG-Umlage auf Strom, den sie selbst verbrauchen: erst 30 %, ab 2017 40 %. Die Branche nennt das „Sonnensteuer“. Fällig wird sie für Strom, der das eigene Dach nie verlassen hat.
Im Juli 2013 meldet Conergy Insolvenz an. Solon, Q-Cells, Sovello und das First-Solar-Werk in Frankfurt (Oder) sind da schon insolvent oder geschlossen.
Umweltminister Altmaier bis Dez. 2013danach Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel · SPD
2017Tiefpunkt: 39.900 Arbeitsplätze.
Das sind drei von vier Solarjobs weniger als 2011. Im Mai 2017 meldet SolarWorld Insolvenz an, Deutschlands letzter großer Solarkonzern.
Danach ist die Windkraft dran. Man kannte das Verfahren ja inzwischen. 2019 kommt an Land 80 % weniger Leistung dazu als 2017, in der Windindustrie gehen zeitweise über 40.000 Arbeitsplätze verloren.
Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries · SPDab März 2018 Peter Altmaier · CDU
2020 bis 2023Neustart, aber ohne Fabriken.
Im Juni 2020 fällt der 52-Gigawatt-Deckel, kurz bevor er greift. Das EEG 2023 unter Robert Habeck setzt das Ziel von 215 Gigawatt bis 2030. 2023 werden 15.438 Megawatt gebaut, die Branche zählt wieder 104.500 Beschäftigte.
Die meisten arbeiten in Installation, Betrieb und Wartung. Die Fabriken, die 2012 niemand halten wollte, stehen inzwischen in China: Dort entstehen über 80 % aller Fertigungsstufen.
Wirtschaftsminister Altmaier bis Dez. 2021dann Robert Habeck · Grüne, Kanzler Olaf Scholz · SPD
2024 bis 2025Rekord. Dann kommt Katherina Reiche.
2024 werden 17.397 Megawatt gebaut, so viel wie nie zuvor. Seit dem 6. Mai 2025 ist Katherina Reiche (CDU) Wirtschaftsministerin. Im August 2025 sagt sie, neue kleine Solaranlagen rechneten sich „schon heute im Markt“ und bräuchten keine Förderung.
Der Markt nimmt sie beim Wort: Bei Eigenheimen sinkt der Zubau 2025 um rund ein Viertel. Meyer Burger, einer der letzten großen Solarhersteller im Land, stellt im September 2025 den Betrieb ein.
Kanzler Friedrich Merz · CDUWirtschaftsministerin Katherina Reiche · CDU
2026Die nächste Sonnenfinsternis ist angekündigt.
Am 29. Juli 2026 beschließt das Kabinett die EEG-Novelle. Neue kleine Anlagen bekommen ab 2027 keine dauerhafte Einspeisevergütung mehr, nur noch eine Übergangszahlung für 36 Monate. Neue Dachanlagen unter 100 kW dürfen höchstens 50 % ihrer Leistung einspeisen. In Netzengpass-Gebieten gibt es weniger Entschädigung, wenn Anlagen abgeregelt werden.
Wir beenden die Vergütung für Anlagen, die aufgrund ihrer hohen Renditen ohnehin gebaut würden.
Katherina Reiche, 29.07.2026
Gebaut werden sie gerade deutlich seltener: Bei kleinen Dach- und Gewerbeanlagen liegt der Zubau schon über 40 % unter 2024. Insgesamt kommen von Januar bis September 12.762 Megawatt dazu. Der Bundestag entscheidet voraussichtlich Mitte November.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche · CDU