Die Warnung
Molina und Rowland zeigen: FCKW zerstören in der Stratosphäre Ozon.
1974 entdecken zwei Chemiker, dass FCKW aus der Spraydose die Ozonschicht zerstören. 1985 messen britische Forscher das Loch über der Antarktis, 1987 unterschreibt die Welt in Montreal. Heute sind fast 99 % der verbotenen Stoffe verschwunden, und die Ozonschicht erholt sich. Die Geschichte eines Vertrags, den jeder Staat der Erde ratifiziert hat.
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FCKW galten als Wunderstoffe: nicht brennbar, nicht giftig, billig. Sie steckten in Spraydosen, Kühlschränken, Klimaanlagen und Schaumstoffen. Anfang der 1970er weist James Lovelock sie überall in der Atmosphäre nach, auch fern jeder Quelle. Wo bleiben sie?
Am 28. Juni 1974 geben Mario Molina und F. Sherwood Rowland in Nature die Antwort: FCKW steigen unzerstört bis in die Stratosphäre. Dort spaltet UV-Licht sie auf, und das freigesetzte Chlor zerlegt Ozon als Katalysator, immer wieder.
Quellen: Molina & Rowland 1974, Nature 249 · Lovelock et al. 1973, Nature 241 · UC Berkeley
So viele Ozonmoleküle kann ein einziges Chloratom zerstören, bevor eine andere Reaktion es bindet.
Quelle: UNEP Ozone Secretariat · Schema und Zählwerk: eigene Darstellung
Seit den 1950er-Jahren misst der British Antarctic Survey an der Station Halley Bay das Ozon über der Antarktis. Am 16. Mai 1985 veröffentlichen Joe Farman, Brian Gardiner und Jonathan Shanklin in Nature: Die Werte im antarktischen Frühling liegen rund ein Drittel unter denen der 1970er. Satellitendaten der NASA bestätigen das Loch kurz darauf über dem ganzen Kontinent.
1986 erklären Susan Solomon und Kollegen die Chemie: Chlor aus FCKW wird im antarktischen Winter auf polaren Stratosphärenwolken aktiviert und zerstört im Frühling, sobald die Sonne zurückkehrt, das Ozon. Damit ist der Zusammenhang geschlossen.
Größte Tagesfläche des Ozonlochs je Jahr (Gebiet unter 220 Dobson-Einheiten) in Mio. km² · Farbe: tiefster Ozonwert des Jahres · 1995 keine Daten · Quelle: NASA Ozone Watch · 2026 gestrichelt: anderes Instrument (Sentinel-5P), Stand 20.09.2026, Quelle: DLR
Ozon im antarktischen Frühling im Vergleich zu den 1970ern.
Größte Tagesfläche des Ozonlochs seit Beginn der NASA-Reihe 1979.
Eines der größten Löcher seit Jahren. Ursache laut DLR: Wetter über der Antarktis, kein neuer chemischer Auslöser.
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Molina und Rowland zeigen: FCKW zerstören in der Stratosphäre Ozon.
Die USA verbieten FCKW als Treibgas in Spraydosen.
Das Wiener Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht regelt Forschung und Zusammenarbeit, noch ohne Grenzwerte.
Farman, Gardiner und Shanklin veröffentlichen das Loch über der Antarktis.
Susan Solomon und Kollegen erklären die Chemie: Chlor wird auf polaren Stratosphärenwolken aktiviert.
Das Montrealer Protokoll wird beschlossen. Erstmals begrenzt die Welt FCKW verbindlich.
Der Chemiekonzern DuPont kündigt an, aus FCKW 11 und 12 auszusteigen, und steckt die Gewinne in Ersatzstoffe.
Das Montrealer Protokoll gilt. Neue Wissenschaft kann es jederzeit verschärfen.
Die Vertragsstaaten beschließen den vollständigen Ausstieg aus FCKW. Ab 1991 zahlt ein Fonds Entwicklungsländern die Mehrkosten.
Die FCKW-Halon-Verbots-Verordnung tritt in Kraft. Bis Ende 1994 steigt Deutschland aus vollhalogenierten FCKW aus.
Paul Crutzen, Mario Molina und F. Sherwood Rowland erhalten den Nobelpreis für Chemie.
Als erster Vertrag in der Geschichte der Vereinten Nationen ist das Protokoll von allen Staaten ratifiziert.
Die Kigali-Änderung senkt Fluorkohlenwasserstoffe um mehr als 80 % in 30 Jahren und vermeidet bis zu 0,5 °C Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts.
Messnetze entdecken unerwartete CFC-11-Emissionen, obwohl der Stoff verboten ist, vor allem aus dem Osten Chinas. 2019 fallen sie um 26 %.
WMO und UNEP: Fast 99 % der verbotenen Stoffe sind verschwunden, die Ozonschicht erholt sich.
Über der Antarktis erreicht die Ozonschicht wieder die Werte von 1980.
Das Montrealer Protokoll war kein Wunder, sondern gut gebaut. Sechs Bauteile tragen es, und jedes davon lässt sich auf den zweiten Himmel übertragen.
Labor, Bodenmessung und Satellit zeigen zwischen 1974 und 1986 auf dieselbe Ursache. Danach gibt es keine ernsthafte Gegenposition mehr.
Für Spraydose, Kühlung und Schaumstoff gibt es Ersatzstoffe, oder sie sind in Reichweite.
Hersteller sehen in Ersatzstoffen neue Märkte. DuPont kündigt 1988 den Ausstieg an.
Mit Staaten außerhalb des Vertrags darf niemand die Stoffe handeln. Draußen bleiben wird teuer.
Seit 1991 trägt der Multilaterale Fonds die Mehrkosten des Ausstiegs in Entwicklungsländern.
Fristen lassen sich verschärfen, ohne neu zu verhandeln: London 1990, Kopenhagen 1992, Kigali 2016.
2009 rechnet ein NASA-Team um Paul Newman durch, was ohne das Protokoll passiert wäre. Bis 2065 wären rund zwei Drittel des Ozons verschwunden, weltweit blieben im Mittel 110 Dobson-Einheiten. Das Loch über der Antarktis wäre ab 2040 das ganze Jahr da.
In Städten der mittleren Breiten stiege der UV-Index an klaren Sommertagen mittags auf 15. Heute gilt schon 10 als extrem.
Modellrechnung, Werte als Größenordnung zu lesen · Quelle: NASA Goddard 2009 · Newman et al., Atmospheric Chemistry and Physics
Hautkrebsfälle, die das Protokoll allein in den USA verhindert. Dazu 63 Mio. Fälle von Grauem Star.
So viel kühler ist die Erde mindestens als ohne Abkommen, denn FCKW sind auch starke Treibhausgase. In der Arktis bis zu 3 bis 4 °C.
Die Ozonschicht erholt sich. Nach der Bewertung von WMO und UNEP erreicht sie wieder die Werte von 1980: weltweit um 2040, über der Arktis um 2045, über der Antarktis um 2066.
Ein Kind, das 2026 zur Welt kommt, ist dann 40 Jahre alt. Die meisten, die 1987 in Montreal unterschrieben haben, erleben diesen Tag nicht. Sie haben trotzdem unterschrieben.
Quelle: WMO, 09.01.2023 · Scientific Assessment of Ozone Depletion 2022 · Annahme: heutige Politik bleibt bestehen
Bis zu 27 Mio. km² am 20.09.2026. Ausschlaggebend waren Polarwirbel und Temperaturen über der Antarktis, die von Jahr zu Jahr stark schwanken. Der Ozonverlust im Loch war laut CAMS weniger stark als befürchtet. Erholung heißt: Der Trend stimmt, nicht jedes Jahr.
2018 zeigten Messnetze: Die CFC-11-Emissionen waren seit 2014 um mehr als 13.000 Tonnen pro Jahr gestiegen, obwohl der Stoff verboten ist. Bis 2019 fielen sie wieder auf den Stand vor 2012. Messen und Nachsteuern gehören zum Erfolg.
Der erste Himmel war eine Entscheidung.Der zweite ist es noch
Wieder ein Himmel, wieder ein Gas: Kohlendioxid, diesmal aus fast allem, was wir tun. 1987 musste der Ersatz erst erfunden werden. Für Strom, Wärme und Antrieb steht er heute bereit: Sonne, Wind, Speicher, Wärmepumpen.
Höchstwert der Messreihe. Vor der Industrialisierung waren es 280 ppm.
7 von 9 überschritten. Sicher sind nur noch die Aerosolbelastung und die Ozonschicht. Die eine haben wir 1987 gebaut.
Erwärmung, wenn die Welt bei der Politik von heute bleibt. Mit allen Zusagen 2,3 bis 2,5 °C.
Planetare Krise. Lokale Lösung.
Montreal hat gezeigt, was eine Entscheidung bewirkt. Wir helfen Kommunen, Unternehmen und Genossenschaften, Sonne, Wind, Wärme und Speicher vor Ort umzusetzen: wirtschaftlich tragfähig und mit Beteiligung der Menschen im Ort.